Little Trouble Girls

Little Trouble Girls

Für ihre Kurzfilme wurde die slowenische Regisseurin Urška Djukić unter anderem mit dem Europäischen Filmpries ausgezeichnet, jetzt legt sie mit „Little Trouble Girls“ ihr Langfilmdebüt vor: Im katholischen Mädchenchor freundet sich die introvertierte Lucija mit der selbstbewussten Ana Maria an – und entdeckt beim Probenwochenende in einem italienischen Kloster ganz unbekannte Empfindungen. Esther Buss über die Geschichte eines sexuellen Erwachens, für die Djukić so empfindsame wie sinnliche Bilder findet.
Ein einem Jahr mit 13 Monden (1978)

Ein einem Jahr mit 13 Monden (1978)

Ein kleiner, billiger, schmutziger Film und zugleich ein großer Klage- und Trauergesang: Mit „In einem Jahr mit 13 Monden“ über den Passionsweg der glücklosen Elvira Weishaupt hat Rainer Werner Fassbinder 1978 seinen persönlichsten und erschreckendsten Film gedreht – und einen tief verzweifelten. Andreas Wilink über „eine Ballade, die von Brecht so viel weiß wie von Johann Sebastian Bach“.
My Private Idaho (1991)

My Private Idaho (1991)

Gus Van Sants dritter Film „My Private Idaho“ feierte seine Premiere 1991 bei der Berlinale – und wurde für viele Schwule zum Schlüsselfilm für die eigene Identitätsfindung. Bis heute gilt der Film als Meilenstein des New Queer Cinema. Matthias Frings hat ihn sich noch einmal angesehen und findet, der Film habe nichts von seinem Glanz verloren. Schon die Atmosphäre sei in ihrer lyrisch-verpeilten Traumverlorenheit einzigartig: „als habe jemand ein Märchen der Schauerromantik mit einem Drogen-Roadmovie gekreuzt“.
Lesbian Space Princess

Lesbian Space Princess

Knallbunt, euphorisch, kompromisslos queer: Der Animationsfilm „Lesbian Space Princess“ des australischen Regie-Duos Leela Varghese und Emma Hough Hobbs ist ein mitreißender intergalaktischer Selbstfindungstrip mit großem Herzen und Lust auf Krawall, irgendwo zwischen wilder Sci-Fi-Musical-Komödie und heilsamer Coming-of-Age-Abenteuerreise. Dafür gab es auf der Berlinale 2025 den Teddy-Award. Anne Küper über eine spaßig-schnelle Space Opera aus der Zukunft mit vielen politischen Bemerkungen über eine wenig spaßige Gegenwart.
North of Vortex (1991) & Caught Looking (1992)

North of Vortex (1991) & Caught Looking (1992)

Ein schwuler Dichter reist mit seinem Cabrio von New York nach Westen. Auf dem Weg nimmt er einen muskelbepackten Matrosen mit, später steigt eine Kellnerin zu. Der Dichter ist scharf auf den Matrosen, der Matrose auf die Kellnerin, die Kellnerin auf den Dichter. Constantine Giannaris’ Road Movie „North of Vortex“ aus dem Jahr 1991 fasziniert mit traumhaften Schwarz-Weiß-Bildern und queerer Beatnik-Romantik – am besten im Doppelpack zu genießen mit Giannaris’ kurzem, futuristischem Nachfolgefilm „Caught Looking“. Michael Kienzl über zwei wiederentdeckte queere Klassiker voller rauer Poesie und unerfüllter Sehnsucht.
Indian Summer (1996)

Indian Summer (1996)

London, Mitte der 1990er. Tonio ist der Startänzer in seinem Ballett-Ensemble – und HIV-positiv. Für ihn ist klar, dass er bald im Tänzerhimmel landen wird, doch bis dahin will er seine Zeit auskosten. Keine Frage, dass er im neuen Prestigestück der Gruppe die Hauptrolle übernimmt. Und dann tritt Jack in sein Leben – ein ruhiger Typ mit leichtem Übergewicht und großem Herzen. „Indian Summer“ (1996) von Regisseurin Nancy Meckler und Drehbuchautor Martin Sherman ist ein Klassiker über Lebensfreude und Mut im Umgang mit Aids. Axel Schock über eine klug und genau beobachtete Beziehungsstudie, die Aspekte der Aids-Krise ausleuchtet, die sonst in Filmen meist vernachlässigt werden.
Magick Lantern Cycle (1947–1980)

Magick Lantern Cycle (1947–1980)

Sie sind rätselhaft, provokant, rauschhaft, queer und anarchistisch, mit einem Faible für Mythologie, Okkultismus und Gegenkultur: Mit seinen neun Kurzfilmen des „Magick Lantern Cycle“ (1947 bis 1980) wurde Kenneth Anger zum Monumentalfilm-Regisseur des experimentellen Kinos. Michael Kienzl über einen legendären Filmemacher, der die Lust feierte und gleichzeitig ihre Abgründe erforschte.
Die Jungfrauenmaschine (1988)

Die Jungfrauenmaschine (1988)

„Filme wie der von Monika Treut vernichten das Kino“, schrieb 1988 die ZEIT. Gemeint war „Die Jungfrauenmaschine“, der heute natürlich völlig zu Recht als Klassiker des lesbischen Kinos aus Deutschland gilt – und im April in der Queerfilmnacht auf die große Leinwand zurückkehrt. Der Film erzählt von Dorothee Müller, einer jungen, naiven Hamburger Journalistin, die sich an eine Untersuchung über romantische Liebe macht und für belastbare Antworten bis ins abenteuerliche San Francisco reisen muss. Anne Küper folgt dem Film und seiner Regisseurin auf ihrer lustvollen Entdeckungstour, deren Ursprung auch viel über die engen sexuellen Grenzen im Deutschland der 1980er erzählt, und erkundet Treuts bahnbrechendes queeres Bastel-Prinzip.
Queerpanorama

Queerpanorama

In „Queerpanorama“ von Jun Li lässt sich ein schwuler Mann durch die Apartmentkomplexe Hongkongs treiben, von einem Sex-Date zum nächsten – und immer nimmt er dabei eine neue Identität an. Manchmal entsteht für einen Moment echte Intimität. Andere Male wird es hässlich. Jedes Mal studiert er sein Gegenüber genau und imitiert dessen Persönlichkeit beim nächsten Date. So ist er Schauspieler, Wissenschaftler, Architekt, Lieferant, Lehrer – und immer auf der Suche. Andreas Köhnemann über einen sinnlichen, abgründigen Film, der in faszinierend schönen Bildern über schwule Dating-Kultur philosophiert.
Cabaret (1972)

Cabaret (1972)

Schmierereien an Hauswänden, zunehmende antisemitische Gewalt und Verschwörungstheorien im direkten Umfeld der Hauptfiguren: Gegen all das feiert Sally Bowles in Bob Fosses Verfilmung von Christopher Isherwoods Roman „Cabaret“ an, um die hässliche Wahrheit noch für eine Weile zu verdrängen. Andreas Köhnemann über einen Klassiker, der so lebenslustig wie finster ist – und dessen queeren Geist auch Hollywood nicht austreiben konnte.